Die kleinen Dinge

 

Da stand ich heute morgen am Bahnhof und habe auf meine Bahn gewartet, die – welch große Überraschung – mal wieder eine ordentliche Verspätung hatte. Ich war in mein Smartphone vertieft, als plötzlich ein Mann vor mir stand. Ein ungepflegtes Äußeres, ein komischer Blick und eine etwas undeutliche Aussprache. „Entschuldigung, haben Sie vielleicht 50ct, um mir was zu Essen aus dem Automaten zu holen? Ich habe lange nichts mehr gegessen.“ Mit diesen Worten sprach er mich an. Ich war etwas genervt; er ist ja nicht der erste, der am Bahnhof rumläuft und bettelt. Ich schaute nur flüchtig hoch und sagte, dass ich kein Kleingeld hätte und schaute wieder auf mein Telefon.

Dann aber dachte ich „Was bist du denn grade für ein arrogantes Arschloch? Du bist auf dem Weg zur Arbeit, die dir Spaß macht. Du hast eine tolle und große Wohnung. Du hast zwei tolle Kinder. Du gibst Geld für unsinnige Dinge aus. Und jetzt bist du wegen 50ct zu geizig?“

Ich packte das Telefon in die Tasche, kramte mein Portemonnaie raus und schaute, was ich noch an Kleingeld hatte. Leider waren es nur 62ct, aber davon kaufte ich schnell einen Müsliriegel und gab ihn dem Mann. Hätte ich noch mehr passendes Geld gehabt, ich hätte den halben Automaten leer gekauft.

Warum ich das hier grade schreibe? Wir, die wir grade Facebook nutzen – überwiegend wohl an teuren Smartphones –, wir alle sollten mal drüber nachdenken, ob wir nicht mit einer solchen kleinen Tat anderen Menschen helfen können. Es hat mich im Prinzip nichts gekostet, für den Mann am Bahnhof war es aber vielleicht sehr wichtig.

Mein Wunsch: Geht mit offenen Augen durch die Welt. Wenn ihr mal eben helfen könnt, helft. Ein Müsliriegel, einen Koffer die Treppe hoch tragen, eine Tür aufhalten. Es kostet meist nichts und es zaubert anderen Menschen ein kleines Lächeln ins Gesicht.

 

Bernhard Hinsken

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